Die Ausgangslage ist alles andere als vielversprechend: Der Sport ist verloren. Seine Helden – Christiano Ronaldo, David Beckham, Kobe Bryant, Wladimir Klitschko, Usain Bolt, Michael Phelps, Lance Armstrong – rasieren sich Beine und Brust mit einem Ladyshaver.
Ohne sich ihrer künftigen Rolle in der Sporthistorie bewusst zu sein, macht sich am Freitag, dem 17.Juli 2009, eine Münchner Thekenmannschaft mit attraktivem Gefolge auf, den Sport zu suchen, zu finden. Und zu retten.
Auf den 8. Magnetcup in Berlin sind die Spieler bestens vorbereitet. Der Ort ihres Trainingslagers war von der Moral der Truppe so angetan, dass er sich als Trikotsponsor meldete, weshalb die Herzen der Mannschaft des FC Monaco Royal dem Schall & Rauch auch viele Kilometer fern der Schellingstraße ganz nah sind.
Grau der Himmel, rot die Bremer, hoch die Niederlage. Torlose Monacos.
Gauloises, Bier, Mädelsmoralappell, DJ-Goalie Schlaf, Moll’sche Taktikbesprechung Teil 1.
Grau der Himmel, grau die Haare der ewigen Hochschüler, hoch die Niederlage. Torlose Monacos.
Gauloises, Bier, Gauloises, Bier, Mädelstrost, Dabeiseinistalles-Phrasendrescherei, Moll’sche Taktikbesprechung Teil 2.
Grau der Himmel, weißblau der Cosmos, viel Körperspannung, nicht bei uns, hoch die Niederlage. Torlose Monacos.
Gauloises, Bier, Gauloises, Bier, Gauloises, Bier, Gauloises, Bier.
Grau der Himmel, weiß die anderen, 0:2 nach fünf Minuten, torlose Monacos.
Suizidale Klänge aus den Boxen am Spielfeldrand. Der Spaß eines Wochenendes apokalyptisch verglühend hinter einer Scheißegal-Fassade, die den schlummernden Ehrgeiz versteckt, der murrt, weil ihn wenig nährt, von dem was die Monacos da anstellen. Da hätte er ja auch gleich zuhause bleiben können. Tristesse Monaco Royal. Ach, ach, ach. Ach könnten die mutig zu ihren toten Hosen stehenden Mädels am Rande doch in den Mittelpunkt, sie würden besseres vollbringen, auf hohen Schuhen, die Brüste im Wind, in die Schlacht, in der ihre Männer sich benehmen wie Playmobil-Figuren vor Atilla und seinen Hunnen. Ach, ach, ach.
Und dann kommt Tobi auf’s Feld, und auch wenn das jetzt alles chronologisch drunter und drüber geht, völlig egal, dieser Monaco steht für den Sport wie das A am Anfang des Alphabets. Die verbliebenen Haare weiß, im Berliner Wind wehend, weißbiergenährtes Sixpack, rennt der Monaco mit der bis dato wenigsten Spielzeit auf das Feld, grätscht den ersten Gegner an der Mittellinie ab, kompromislos, der Ball kommt zum Lothar Matthäus des Teams (immer Klappe offen, horrende Selbstüberschätzung), weiter zum Pilotenstürmer, der über den Torwart auf Mitglied Nummer Eins ablegt, das mit dem linken Fuß souverän wie ein Zitteraal vollendet. Das erste Tor. Knäuel aus schwarzen Hemden. Orgiastische weibliche Schreie vom Spielfeldrand. Dem abgebrüht berlinironischen Kommentator rutscht der Satz des Tages, des Jahres, des Lebens heraus: „Das ist Sport.“
Und ohne dass das Schicksal weitere Spielminuten verschenkt, wird aus dem Steirer ohne Mumm, dem Basti mit Kuranyi-Brustfrisur und Bandagen als Knieersatz, dem fast verbluteten Arne, dem müden Torwart Jan-Peter, dem Chiller Mäx, dem Trompeter Hutt, dem glücklosen Lamp, dem bescheidenen Drexi, eine Einheit, aus Andi Moll wird Andi Puyol, aus den Monaco Royals werden die Kaiser Chiefs, aus einem beschissenen Samstag der größte seit langem.
Das zweite Tor, das Elfmeterschiessen, die Berliner Schnurrbart-Schiris, der Bänderriss, die Flaschen im Club, Tobi, der auf einem Bein mehr feierte, als die sieben anderen Mannschaften zusammen, all das Rauschhafte danach, kam nicht mehr an den Rausch, das Gefühl des ersten Tores heran, weil es mehr war als ein Tor. Es war pur und ehrlich und makellos schön.
Anm. der Redaktion: Dank an Monaco Felix (aka PR-Beauftragter des FCMR) für diesen genialen Artikel !!!
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